Durchführung und Ergebnisse der Evaluation

Aus Generation Repair
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Im Rahmen einer Bachelorarbeit wurden die Evaluationsbögen verschiedener Veranstaltungsreihen und Formate des Lernorts Reparatur ausgewertet. In diesem verdichteten Kapitel könnt ihr nachlesen, wie die Auswertung der Bögen geholfen hat, Muster zu erkennen, Schlüsse zu ziehen und Angebote für zukünftige Lernorte Reparatur weiterzuentwickeln. Die Informationen aus diesem Kapitel finden sich auch in anderen wieder, es wurde der Vollständigkeit halber hinzugefügt.

Durchführung und Ergebnisse der Evaluation

Die Evaluation der Lernorte Reparatur und der ReparierBar wurde als Handlungsforschung mit qualitativen und quantitativen Elementen angelegt. Ziel war es, Workshops, Ferienangebote und das offene Format der ReparierBar in Hinblick auf Lernen, Motivation und Bildung für nachhaltige Entwicklung auszuwerten.

Forschungsdesign und Methodik

Als Forschungsansatz wurde Handlungsforschung gewählt, weil Theorieentwicklung und Praxisveränderung hier eng miteinander verknüpft sind.[Hussy et al. 2013, S. 208–209][Unger 2014, S. 60] Theorie und Praxis wurden in einem zirkulären Prozess aus Aktion und Reflexion weiterentwickelt, wobei Zwischenergebnisse laufend in neue Kurskonzepte zurückflossen. Der Forschungsgegenstand umfasste praxisorientierte Upcycling- und Reparaturkurse sowie das Format der ReparierBar als Lernort.

Zur Datenerhebung wurden ein eigens entwickelter Evaluationsbogen, leitfadengestützte Interviews mit Kursleitungen und Teilnehmenden sowie teilnehmende Beobachtung eingesetzt. Die Bögen erfassten u. a. Rahmendaten, Erwartungen, Ablauf, Atmosphäre, erlebte Kompetenzen und Wünsche für weitere Angebote; Interviews vertieften Motivation, biografische Bezüge und wahrgenommene Effekte.

Die Auswertung erfolgte durch Kodieren und Kategorisieren der Antworten und Beobachtungen.[Hussy et al. 2013, S. 209] Aussagen wurden in Sinneinheiten zerlegt, thematischen Kategorien zugeordnet und zu Thesen verdichtet, die in nachfolgenden Workshopreihen erprobt wurden.

Untersuchter Kontext: Lernort Reparatur

Untersucht wurden Kurse und Workshops des Projekts „Lernort Reparatur“, die zwischen Herbst 2022 und Frühjahr 2024 stattfanden. Das Projekt des ReparaturRat Oldenburg e. V. verfolgt das Ziel, junge Menschen für nachhaltige Nutzung von Produkten zu gewinnen und berufliche Orientierung im regionalen Handwerk zu ermöglichen. Ein zentraler Ansatz ist die generationenübergreifende Weitergabe von Fähigkeiten im Bereich Reparatur und Upcycling, insbesondere durch Handwerker:innen im Ruhestand.

Ergebnisse der Evaluation

Erste Workshopreihe (Uni-Seminar)

In einer ersten Reihe organisierten Studierende im Rahmen eines Seminars Workshops zu Jeansreparatur, Controller-Reparatur, Nähen aus alten Stoffen, Kunststopfen, Kintsugi sowie einem Upcycling-Projekt mit einer Grundschule. Die Angebote fanden in Werkstätten der Universität, in einer Schule, einem Jugendzentrum, im RessourcenZentrum und im öffentlichen Raum statt, die Materialkosten wurden über das Projekt gedeckt.

Die Teilnehmenden wurden in grundlegende Werkzeuge und Techniken eingeführt und erhielten eine Einordnung in Ressourcenschonung, Reparatur und Upcycling. Rückmeldungen zeigen hohe Zufriedenheit, den Wunsch nach Aufbaukursen und weiteren kreativen Angeboten sowie eine starke Motivation, erneut teilzunehmen und die Kurse weiterzuempfehlen. Besonders positiv wurden funktionierende Controller, sichtbare Ergebnisse (z. B. Insektenhotel, reparierte Kleidung) und die Atmosphäre der Workshops hervorgehoben.

Aus der Kategorisierung wurden u. a. folgende Thesen abgeleitet:

  • Schulische Workshops erreichen alle Jugendlichen einer Lerngruppe, informelle Angebote vor allem bereits interessierte Personen.
  • Lebensweltbezug (z. B. Konsolen, Kleidung, Schulgarten) ist zentral für intrinsische Motivation.
  • Workshops können von Studierenden, Expert:innen oder Ehrenamtlichen angeleitet werden und müssen nicht ausschließlich in der Verantwortung von Lehrkräften liegen.
  • Gute Vorbereitung von Material, Werkzeugen und Anleitungen sowie das Fertigstellen der Projekte sind für Motivation und Zufriedenheit entscheidend.

Diese Erkenntnisse flossen in die Planung der zweiten Workshopreihe ein.

Zweite Workshopreihe (Ferienpass)

In der zweiten Reihe wurden im Rahmen der Ferienpassaktion Workshops zu Bohrmaschinenführerschein, Möbel-Aufarbeitung („Aufmöbeln“), Textil-Upcycling („Patch it!“) und Fahrradreparatur/-gestaltung („Pimp and Ride“) durchgeführt. Die Anmeldung erfolgte über das städtische Ferienprogramm, die Angebote wurden in Werkstätten des RessourcenZentrums und der Universität durchgeführt.

Die Workshops vermittelten Grundlagen im Umgang mit Werkzeugen, verknüpft mit Bezügen zu nachhaltiger Mobilität, Wohnen und Textilkonsum. Die meisten Erwartungen wurden erfüllt, jedoch zeigte sich im Möbel-Workshop, dass sehr zeitaufwändige und monotone Tätigkeiten (Schleifen, Lackieren, Polstern) zu Unzufriedenheit führen können. Teilnehmende wünschen sich eher kürzere Projekte mit einem persönlichen, mitnehmbaren Ergebnis und äußerten Interesse an weiteren Themen wie Programmierung, Smartphone-Reparatur und Insektenhotels.

Aus der Kategorisierung ergaben sich u. a. folgende Thesen:

  • Städtische Netzwerke wie die Ferienpassaktion ermöglichen niederschwelligen Zugang für Kinder und Jugendliche im gesamten Stadtgebiet.
  • Eine (kleine) Teilnahmegebühr erhöht die Verlässlichkeit der Teilnahme.
  • Grundlagenwissen nimmt Jugendlichen die Angst vor Werkzeugen und regt eigene Projektideen an.
  • Eine Einbettung in nachhaltige Entwicklung (Mobilität, Wohnen, Textilien) gibt Reparatur und Upcycling einen tieferen Sinn.
  • Passender Workload und ein sichtbares Ergebnis am Ende des Kurses sind für Motivation und Wiederbesuchsbereitschaft zentral.

Die Ergebnisse wurden bei der Planung weiterer Angebote berücksichtigt.

ReparierBar als kontinuierlicher Lernort

Die ReparierBar ist ein monatliches Repair-Café für Studierende an der Universität Oldenburg, in dem Reparatur, Workshops, kulturelle Veranstaltungen und Kleidertausch kombiniert werden. Pro Termin nehmen je nach Ankündigung 30 bis 70 Personen teil, unterstützt von etwa 10 - 20 Ehrenamtlichen. Die Werkstätten der Technischen Bildung bieten dafür geeignete Infrastruktur, sind jedoch schwer zu finden, was in den Evaluationen als Optimierungsbedarf benannt wird.

Die ReparierBar rahmt Reparatur explizit als Teil von Kultur, Subsistenz und Bildung für nachhaltige Entwicklung.[Baier et al. 2016, S. 34–36] Teilnehmende berichten von gesteigerter Selbstwirksamkeit, einem „generellen Gespür, wie Dinge funktionieren“, mehr Mut zum Ausprobieren und dem Wunsch, Fähigkeiten z. B. bei Instrumenten-, Smartphone- oder Fahrradreparatur zu vertiefen. Viele kommen regelmäßig wieder, auch ohne konkretes Reparaturprojekt, und bringen Freund:innen mit.

Aus der Kategorisierung der ReparierBar ergaben sich u. a. folgende Thesen:

  • Regelmäßige Treffen bieten mehr Lernpotenzial als einmalige Workshops, da sich Wissen, Haltung und Netzwerk langfristig entwickeln.
  • Der Blick auf reparierbare Alltagsgegenstände verändert sich: Teilnehmende achten verstärkt auf Potenziale zur Nutzungsdauerverlängerung.
  • Niederschwellige Kommunikationskanäle (z. B. interne Gruppen) fördern Austausch, informelle Lernprozesse und private Reparaturtreffen.

Zusammenfassung und Diskussion

Die Evaluation zeigt, dass Reparatur- und Upcyclingangebote einen wichtigen Beitrag zu Bildung für nachhaltige Entwicklung und technischer Bildung leisten können. Sie ermöglichen Selbstwirksamkeitserfahrungen, fördern Problemlösekompetenz und eröffnen neue Perspektiven auf Konsum, Ressourcen und Alltagsgegenstände.[Baier et al. 2016, S. 34–36]

Zentral ist, dass Angebote nicht nur punktuell in Projektwochen stattfinden, sondern verstetigt und in schulische wie außerschulische Lernkontexte eingebunden werden. Neben Lehrkräften können Studierende, Ehrenamtliche, Expert:innen und Handwerker:innen als wichtige Bildungsakteure wirken, insbesondere wenn Strukturen aufgebaut werden, die allen Schüler:innen den Zugang ermöglichen.

Lebensweltnahe Projekte, die abgeschlossen werden und ein sichtbares Ergebnis hervorbringen, unterstützen Motivation und die Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Die Rahmung der Nutzungsdauerverlängerung in Subsistenz, Reparaturkultur und nachhaltiger Entwicklung gibt den Aktivitäten einen tieferen Sinn und knüpft an Diskussionen um eine sozial-ökologische Transformation an.[Baier et al. 2016, S. 40–45]

Gleichzeitig macht die Evaluation deutlich, dass Lernorte Reparatur differenziert gestaltet sein müssen, um Unter- und Überforderung zu vermeiden und Flow-Erleben sowie intrinsische Motivation zu unterstützen.[Deci & Ryan 1993, S. 223–232][Rheinberg & Engeser 2018, S. 439–441] Die Ergebnisse sprechen dafür, Reparatur- und Upcyclingangebote stärker im Kanon schulischer Bildung zu verankern und langfristig mit kommunalen, zivilgesellschaftlichen und hochschulischen Akteuren zu vernetzen.

Quellen

  • Baier, A.; Hansing, T.; Müller, C.; Werner, K. (2016): Die Welt reparieren. Open Source und Selbermachen als postkapitalistische Praxis. Bielefeld: transcript.
  • Deci, E. L.; Ryan, R. M. (1993): Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik. In: Zeitschrift für Pädagogik, 39(2), 223–238.
  • Grensemann, O. (2024): Technikunterricht: Ein Zugang zu Bildung für nachhaltige Entwicklung und Baustein der Schule von Morgen. Bachelorarbeit, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.
  • Hussy, W.; Schreier, M.; Echterhoff, G. (2013): Forschungsmethoden in Psychologie und Sozialwissenschaften für Bachelor. 2. Aufl. Heidelberg: Springer.
  • Rheinberg, F.; Engeser, S. (2018): Intrinsische Motivation und Flow-Erleben. In: J. Heckhausen & H. Heckhausen (Hg.): Motivation und Handeln. 5. Aufl. Berlin: Springer, 423–450.
  • Unger, H. (2014): Partizipative Forschung. Einführung in die Forschungspraxis. Wiesbaden: Springer VS.